Physiotherapie

Die Physiotherapie fördert die Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines ganzheitlichen therapeutischen Konzeptes in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Selbständigkeit.

Aus diesem Grund kommen nicht nur Schülerinnen und Schüler mit motorisch funktionellen Störungen und Auffälligkeiten zur Physiotherapie.

 

Auch Schülerinnen und Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten, mit Autismus Spektrum Störung (ASS) und anderen geistigen Beeinträchtigungen profitieren von Bewegungsangeboten, in denen die Auseinandersetzung mit sich selbst, Anderen und der Umwelt auf vielfältige Weise spielerisch erlebt und geübt werden kann. Dabei kommen verschiedene bewegungs- und wahrnehmungs-therapeutische Techniken und Konzepte auf der Grundlage entwicklungspsychologischer Ansätze zur Anwendung.

Bei Schülerinnen und Schüler mit einer Schwerst-Mehrfachbeeinträchtigung dient die krankengymnastische Therapie zum einen dazu, Sekundärschäden einzugrenzen, z.B. Muskeldystrophien in ihrem Ausprägungsgrad zu verringern. Zum anderen richtet sie sich nach den individuellen Bedürfnissen des Kindes im Sinne einer ganzheitlichen Förderung und dem Ziel auch diesen Schülerinnen und Schüler durch die verschiedensten Bewegungs- und Perzeptions-erfahrungen Freude an der Bewegung zu vermitteln.

Die Therapie stellt kein reines Funktionstraining dar, sondern ist möglichst in die Alltags - und Lebenssituation der Schülerinnen und Schüler integriert, um bestmögliche Selbständigkeit und Lebensqualität zu erreichen.

Unsere Angebote orientieren sich an den individuellen Bedürfnissen und Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler und können unterschiedlichste Schwerpunkte be und Ziele beinhalten:

Förderung der Bewegungsfähigkeit und -sicherheit

Wahrnehmung

Gleichgewicht 

Koordination

Kräftigung

Dehnung

Atemtherapie

Kontrakturprophylaxe

Haltung

Entspannungsfähigkeit

Kontaktfähigkeit

verbale und nonverbale Kommunikation

Sozialkompetenz

Selbstwertgefühl

Gruppenfähigkeit

Aggressionsbewältigung


Methoden:

 

Basale Stimulation
Basale Stimulation bedeutet die Wahrnehmungsbereiche zu stimulieren und durch die Anregung von Körper und Bewegungserfahrungen mit der Umwelt in Kontakt zu treten. Es wird das Sehen, das Hören, das Schmecken, das Fühlen und das Riechen angesprochen.Über diese unterschiedlichen Sinnesorgane wird der Zugang zu schwerst-mehrfachbeeinträchtigten Schülerinnen und Schüler und Schülern gesucht, um in Kommunikation treten zu können. Dabei wird jede Eigenaktivität unterstützt und gefördert.

 

Förderung der Wahrnehmung
Viele unserer Schülerinnen und Schüler und Schüler haben Wahrnehmungsstörungen. Hierbei handelt es sich um Störungen in der Verarbeitung von Sinneseindrücken. Dies bezieht sich auf einen kognitiven Prozess der Informationsverarbeitung aus verschiedenen Bausteinen, z. B. der Umwelt, dem Körper und den damit verbundenen emotionalen Prozessen, dem Denken und den Erfahrungen, die wir bereits gemacht haben. Viele unserer Behandlungsmethoden setzen bei diesen  Wahrnehmungsstörungen an.

 

Affolter-Methode (nach Felicitas Affolter)
Die Affolter-Methode  beinhaltet, dass durch das gezielte "Führen" an Händen und Körper eine Verbesserung der gespürten Information erlangt wird und dass es dadurch im Laufe der Zeit zu einer Vertiefung der Wahrnehmungsorganisation kommt.

 

Sensorische Integrationstherapie
"Durch Bewegung erzielen wir Muskel und Gelenkempfindungen, die sogenannte Tiefensensibilität oder Eigenwahrnehmung, die wir aus dem Inneren unseres  Körpers empfinden. Alle diese Empfindungsqualitäten zusammengenommen, sowie die  Reaktion des Organismus auf sie, tragen zu einer normalen Entwicklung des Gehirns  bei." (Ayres, Jean: Bausteine der kindlichen Entwicklung. (Berlin 2002)
Ziel der Therapie ist eine Verbesserung der sensorischen Information. Hierzu werden gezielte Reizsetzungen in den Sinnesqualitäten durchgeführt. Die Grundspannung des Kindes wird z. B. durch lineare Beschleunigung ( Rollbrettfahren, Trampolinspringen, Schaukeln in der Hänge-matte) verbessert. Schülerinnen und Schüler und Schüler, die erkennen lassen, dass sie nicht gerne Dinge anfassen oder halten wollen, lernen durch das Arbeiten gegen Widerstände (Schieben, Ziehen, Tragen, Drücken) Informationen neu zu verarbeiten. Die Therapie ist in der Regel nondirektiv. Nur wenn ein Kind in der Aktivität die Bedeutsamkeit seines Handelns erfährt, ist es möglich, gemeinsam einen Erfolg zu er-zielen.

 

Psychomotorik
Die Psychomotorik ist ein ganzheitliches, entwicklungs-orientiertes Therapiekonzept, das den Aufbau eines positiven Selbstkonzeptes sowie die Handlungs- und Sozialkompetenz des Kindes über Körper- und Bewegungserfahrungen fördert. Dabei steht nicht die Beeinträchtigung im Vordergrund, sondern die Entfaltung von Ich-Sozial- und Sachkompetenz sowie die Entwicklung der Sinnkompetenz. Es werden unter vielfältigen Bedingungen und mit unterschiedlichsten Materialien grundlegende Wahrnehmungs- und Bewegungsmuster vermittelt um die Handlungskompetenz zu entwickeln und zu erweitern (z.B. Bewegungslandschaften, Materialerfahrung, Parcours, Gruppenspiele).

 

Bobaththerapie
Die Therapie nach Bobath versteht sich nicht als funktionelle Übungsbehandlung oder als spezielle Behandlungstechnik. Es handelt sich bei ihr um ein Konzept welches die Schülerinnen und Schüler ganzheitlich durch handlungsorientiertes Arbeiten fördert. Die therapeutischen Maßnahmen dienen der Unterstützung der Eigenregulierung von Haltung und Bewegung. Dabei werden Bedingungen geschaffen, die das Ausprobieren, Explorieren und Entwickeln von Strategien möglich machen um das sensomotorische Lernen zu fördern. Es werden Reize an das Berührungsempfinden, die Körperwahrnehmung und den Gleichgewichtssinn gesetzt. Dadurch wird die Entwicklung der Tonusregulation von Haltungs- und Bewegungsmustern unterstützt. Ein Aspekt ist das Handling und die Lagerung von schwerstbehinderten Schülerinnen und Schüler. Sie werden so gestaltet, dass unökonomische (pathologische) Muster gehemmt werden und solche angebahnt werden, die koordinierte Bewegung zulassen und den Schülerinnen und Schüler ermöglichen eine angenehme und individuell angepasste Haltung einzunehmen.
Bei mobileren Schülerinnen und Schüler sind Schulung von Kopf- und Rumpfkontrolle sowie Gleichgewichtsreaktion und Gewichtsübertragung ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. Dabei werden taktile, optische und akustische Reize mit einbezogen.
Die Therapie wird möglichst alltagsnah durchgeführt und in die Bereiche des täglichen Lebens wie Nahrungsaufnahme, An- und Ausziehen, Körperpflege, Kommunikation, Fortbewegung und Transfer übernommen.

 

Krisenintervention bei sozial-emotional problematischen Schülerinnen und Schüler
Hier werden Konzepte der Konfliktberatung und der psychologischen Entwicklungsdiagnostik verwendet. Das  interdisziplinäre Team arbeitet eng zusammen, um den Schülerinnen und Schülern Selbstvertrauen in die Eigenwahrnehmung zu vermitteln. Sie sollen sich als Mensch wertschätzen und Versagensängste abbauen.

 

Selbsthilfetraining
Um Handlungskompetenzen zu erweitern, führen wir  folgende Selbsthilfetrainings mit einzelnen Schülerinnen und Schüler durch.

 

  • Toilettentraining
  • Mund- und Esstraining
  • An- und Ausziehtraining
  • Rollstuhltraining
  • Orientierungstraining